Im Sommer 1969 brachte Paps eines Tages einen Mercedes Benz 319 aus der Firma mit. Ein kleiner LKW der freundlich guckt, wie ´ne Kiste aussieht und hinten Klapptüren hat. Da passen viele Sachen rein. Körbe mit Wäsche, mit Kleidern, manche mit Geschirr, ja sogar Möbel. Es ist Wochenende, wir ziehen heute um. Aus der Wohnung gegenüber der besten Eisdiele der Welt in ein richtiges Haus. Toll, ab sofort haben wir selber Stockwerke. Als Paps mir am Abend erklärt, dass der Laster 319 heißt, ist er längst mein heldenhafter Befreier geworden. Zum Beispiel von Frau P., die oft im Flur lauert und mein Haar streichelt. Meistens, wenn zu viel Butterschmalz an ihren Händen klebt… 

In den ersten Jahren danach lebe ich von Mercedes 319 geradezu umzingelt. In der Firma, für die Paps arbeitet, haben sie eine ganze Flotte davon. Als Pritsche, als Kasten, als Werkstattwagen, als Abschlepper und als Feuerwehrauto. Doch es dauert kein Jahrzehnt, bis auch hier die meisten 319er vom DüDo abgelöst werden. 140.000 Exemplare wurden zwischen 1955 und 1968 gebaut. Doch ab Mitte der 70er Jahre sind im Straßenbild von Deutschland kaum noch 319 zu sehen. Was nicht in Behördenfuhrparks gewartet wurde, ist längst aufgebraucht, verschrottet oder auf Nimmerwiedersehen exportiert worden.

Zeitsprung, ein halbes Jahrhundert später, ein sonniger Vormittag in Unterfranken. Im Vorbeigehen höre ich von einer Halle, in der „eh baar ahlde Bense rümsteh“. Hab nix anderes vor, frage nach der Adresse, fahre hin, die Frau mit dem Schlüssel macht auf, 107, 111, 126, Dreineunzehnalarm! Feuerwehr kurz, Ex Postwagen, tolle Substanz, gute Teilrestauration, Auto komplett, volle Historie, Schnappatmung, Partymodus, Ermüdungsbruch des Auslösers am rechten Spiegelreflexgelenk. Wollte immer einen kurzen Mercedes 319 klarmachen. Vielleicht wird`s ja dieser. Fortsetzung folgt…